Von Angst, Panikattacken und der Pille

„Sie leiden an einer Generalisierten Angststörung.“
So oder so ähnlich hieß meine Diagnose nach einem mehrstündigen Test in der Institutsambulanz. Erst war ich erleichtert, dachte mir : ach son bisschen mehr Angst als normal, das kriegt man sicher gut in den Griff. Die Therapeutin fragte mich, ob ich jemals Panikattacken hatte, ich verneinte das, ich hätte keine Ahnung, wie sich so etwas anfühlt. Das war im November 2019.

Seitdem hatte ich mehrfach Panikattacken, Angst, verlassen zu werden, Angst, durchzudrehen, hatte so schlimme Anfälle, dass ich manchmal regelrecht das Bedürfnis hatte, mir irgendwie wehzutun. Ich bekam eine Panikattacke auf einer Hochzeit, beim Autofahren, im Bus, manchmal einfach nur nach dem Aufwachen. Wenn ich daran dachte, unter Menschen zu gehen, dann wurde mir fast schlecht, so sehr habe ich mich in manche Situationen reingesteigert.
An manchen Tagen wachte ich auf und fing einfach das Heulen an, ich hab so viel nachgedacht, dass mein Kopf eigentlich hätte explodieren müssen. Ich habe jede meiner sozialen Beziehungen in Frage gestellt, habe jedem das Schlimmste unterstellt und war so felsenfest davon überzeugt, dass ich niemanden mehr in meinem Leben haben wollte. Ich wollte niemanden mehr sehen und erst recht niemandem erzählen, wie es mir geht, denn ich war mir sicher, dass das sowieso niemanden wirklich interessieren würde. (An der Stelle größtes Dankeschön an alle, die geblieben sind!)
Nah am Wasser gebaut war für mich kein genügender Ausdruck mehr, jedes Wort hätte mich völlig aus der Bahn werfen können. Wenn ich mal 3 Tage am Stück nicht weinen musste oder keine Panikattacke hatte, dann war das für mich eine lange Zeit.
Ich konnte mir absolut nicht erklären, woher meine Anfälle kamen, ich habe dafür nie einen Auslöser gefunden, was mich einfach noch wahnsinniger und deprimierter werden ließ.

Meinen Höhepunkt erreichte ich, als ich Suizidgedanken bekam.

Es war Sonntag, der 1. März 2020, als ich aufwachte und es mir wieder so schrecklich ging. Ich war traurig ohne offensichtlichen Grund, was mich wütend machte. Ich habe krampfhaft überlegt, was denn verdammt nochmal mit mir nicht stimmt. Dann fiel mir ein, dass ich seit Oktober 2019 die Pille nahm, ein paar Wochen später fingen meine Attacken an. Ich wusste, dass Depressionen eine mögliche Nebenwirkung sein können, googlete aber nochmal um mich zu versichern. In einer dänischen Studie kam man zu dem Ergebnis, dass Frauen, die die Pille einnehmen, 34% häufiger zusätzlich Antidepressiva verschrieben bekamen.  -> Ergebnis Studie

Ich sprang voller Freude aus dem Bett, schmiss meine letzte Pille ganz unten in den Badschrank und beschloss, ab sofort wieder normal zu werden.
Das ist heute genau 3 Wochen her. 3 Wochen, in denen ich weder geweint habe, noch Panikattacken aushalten musste.
Ich bin sicherlich keine Ärztin und kann in drei Monaten mehr dazu sagen (also eher Angaben ohne Gewähr). Doch mir war es ein so großes Bedürfnis darüber zu schreiben, da ich vielleicht jemandem Hoffnung geben kann. Denn es gibt für mich nichts Schlimmeres, als langsam immer verrückter zu werden und nicht zu wissen, was der Auslöser dafür ist, keinen Anhaltspunkt zu haben, woran man da eigentlich arbeiten soll oder kann.

Das Thema Pille ist ja nun mehr seit einigen Jahren schon etwas mehr in den negativen Fokus gerückt, unzählige Frauen berichten, dass es ihnen trotz einiger kleinen Beschwerden ohne das hormonelle Verhütungsmittel wesentlich besser ginge und ich hoffe, die eine oder andere zu bestärken, sich etwas genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Pille ist eben nicht nur schöne Haut, seltener Haare waschen und schlimmstenfalls Wassereinlagerungen…

Bleibt gesund.

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