Herzensangelegenheit

„Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne brachte mich zum Weinen. Das vermutete ich bereits, bevor ich überhaupt die 20. Seite erreicht hatte. Es gibt keine Zusammenfassung auf dem Buchrücken, denn das braucht dieses Buch nicht. Schnell wird klar, dass es um einen kleinen Jungen namens Bruno geht, der in der Zeit lebt, in der die Juden das absolute Feindbild Deutschlands waren. Doch nicht er ist der Junge im Konzentrationslager, der in gestreifter Kleidung sein „Leben“ ertragen muss. Er ist der Sohn eines hohen Offiziers, dem von Hitler persönlich die vermeintlich ehrenwerte Aufgabe auferlegt wird, ein Haus direkt am KZ Auschwitz zu beziehen um das „Geschehen“ besser unter Kontrolle zu bringen als sein Vorgänger. Bruno, der erst 9 Jahre alt ist, versteht nicht so recht, was er an diesem Ort soll, aus dessen Kinderzimmerfenster er direkt das KZ im Blick hat. Eines Tages beschließt er, heimlich dem ewig langen Stacheldrahtzaun auf den Grund zu gehen. Nach einer Stunde begegnet er einem Jungen seines Alters auf der anderen Seite des Zaunes. Fortan treffen die beiden sich ein Jahr lang jeden Nachmittag und reden miteinander. Bis zum letzten Atemzug hatte ich erwartet zu wissen, wie das Drama seinen Lauf nimmt. Bruno ist ein neugieriger, wissbegieriger Junge, der sich sein eigenes Bild von den Geschehnissen machen möchte.
Ich wünschte mir, dass es davon heutzutage mehr Menschen in Deutschland gäbe. Menschen, die lesen, sich bilden, nicht nur dumm nachquatschen, was der Nachbar bei Facebook schreibt, einer unmenschlichen braunen Masse folgen.
Von Geburt an kommen wir alle mit einem Herz zur Welt, das vollkommen rein ist. Wir kennen keine Feindlichkeit, keinen Rassismus, würden keineswegs jemanden töten. In Wahrheit würden das wahrscheinlich die wenigsten tatsächlich übers Herz bringen. Doch sie schreien auf öffentlichen Plätzen, man solle Menschen ertrinken lassen oder wenigstens erschießen. Ich kann meine Wut darüber gar nicht in Worte fassen. Es gibt 9-Jährige, die weitaus intelligenter sind als der Abschaum, der uns Deutsche momentan wieder in ein so dreckiges Licht zieht.
Kommentare wie „Caro, ich hab doch nicht die AfD gewählt! Sondern die NPD“, „Also ich würde montags auch bei Pegida mitlaufen, die haben doch Recht“, oder sich am Telefon mit „Heil Hitler“ zu melden hab ich mir nicht ausgedacht. Das wurde mir ins Gesicht gesagt und zwar von Menschen, die in ihrer Berufsbezeichnung das Wort „sozial“ tragen. Ich darf niemandem etwas Schlechtes wünschen, aber euch wünsche ich die widerlichsten Krankheiten, lebenslangen Juckreiz am gesamten Körper und dass ihr eines Tages ganz jämmerlich leiden müsst.
Meines Wissens gibt es in Deutschland eine Schulpflicht, der also auch genannte Personen offensichtlich nachgekommen sind. Und auch wenn es sich nur um 10 Jahre handelte, bin ich mir sicher, dass auch im Geschichtsunterricht darüber gesprochen wurde, was in den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte passierte. Wie wenig Empathie kann ein Mensch besitzen, so etwas gutzuheißen. Ich habe keine Angst davor, ein Kind in eine multikulturelle Gesellschaft zu gebären, Menschen wie ihr, bereiten mir da weitaus größere Sorgen.

„Dies ist das Ende der Geschichte von Bruno und seiner Familie. Natürlich geschah dies alles vor langer Zeit, und etwas Ähnliches könnte nie wieder passieren.
Nicht in diesen Tagen. Nicht in diesem Zeitalter“
John Boyne

Ich wünschte mir, dass das Buch im Unterricht thematisiert wird, ich habe es in 4 Stunden förmlich verschlungen. Es verdeutlicht ganz simpel, dass Bruno und sein Freund auf der falschen Seite des Zaunes völlig identisch sind, sie bemerkten so viele Gemeinsamkeiten. Einer von beiden hatte das „Pech“ jüdischer Abstammung zu sein, der andere hatte Glück.

Aber ist der Entscheid über Leben oder Tod ein Glücksspiel? Und wer hat das Recht, über Leben oder Tod eines anderen Menschen zu entscheiden?

Ein Kommentar zu „Herzensangelegenheit

  1. Liebe Caro, du kannst zu jedem Thema schreiben. Egal was, deine Zeilen bringen mich zum Lachen, Weinen aber auch wie die aktuellen Zeilen zum Nachdenken. Ich hatte noch nicht die Möglichkeit das Buch zu lesen, denke aber nach Deinen Worten, dass das Buch sehr viel Tiefgang hat und auch mir es sehr gefallen würde. Ja genau diese Thema ist damals wie heute sehr aktuell und ich kann die Menschen nicht verstehen. Warum urteilen sie so, warum verachten sie Andere so, warum jagen sie Andere so? Und deine indirekte Anklage an Menschen aus dem Berufsleben habe ich verstanden. Ich denke einen solche Person kennen wir beide persönlich. Am schlimmsten ist es, dass genau solche Menschen sich nicht mit der Geschichte Deutschlands befasst haben und das ist sehr traurig……

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