Selbstfindung mit 25

Meine Beziehung nahm ihr Ende. Und plötzlich stellte ich alles in Frage, den Job, die Stadt in der ich lebte, alles. Rückblickend wünschte ich mir, ich hätte mir einfach nur die Haare schwarz gefärbt und die Nase gepierct, wie man das halt so macht bei einem Neuanfang. Nein, ich wollte mal wieder das Gesamtpaket. Also beschloss ich, von heut auf morgen meinen Job zu kündigen und die Stadt zu verlassen. Das war ein befreiendes, beängstigendes und aufregendes Erlebnis.

In der 10. Klasse hat es mich bereits gestresst, im Abitur hab ich meinen Höhepunkt erreicht. Dachte ich. „Was willst du mal werden? Astronaut oder Sängerin?“ Komm, ich mach erstmal eine Ausbildung. Sicherer Job, gutes Einkommen, auf eigenen Beinen stehen. Das Ende vom Lied war ein sicherer Job, ein gutes Einkommen und eine ganze Menge Frust. Ein Job, in dem du nicht glücklich bist, kann ganz schön runterziehen und dafür ist das Leben einfach zu kurz.
Drei Jahre nach meiner Ausbildung stand dann fest, ich möchte mich neu orientieren und mich beruflich verändern. Aber nicht wieder in die falsche Richtung.

Die letzten drei Monate habe ich nun damit verbracht, mich täglich zu fragen, was ich eigentlich will. Büro fällt vorerst aus und im Pflegeheim kann ich auch nicht arbeiten, nach einem Tag Probearbeit ist es mir vergangen. Mit Menschen arbeiten sehr gern, aber nicht um Ihnen den Hintern abzuwischen. All den Pflegern gilt mein größter Respekt!
Kinder mag ich, Erzieherin mag ich aber nicht werden. Sollte ich bei einer Zeitung schreiben, Autorin werden? Mach ich noch eine Ausbildung, ein Studium, suche ich mir wieder einen Bürojob?
Ich war in den letzten Wochen die unausstehlichste Caro, die ich jemals kennengelernt habe, frustriert, planlos und verdammt nörgelig.
Die spannendsten Stellenangebote schrieen nach Sozialpädagogen. Schulbegleiter für Kinder, Leiter von sozialen Einrichtungen. Ich liebe ja Kinder, die ich wieder abgeben muss. Nur all diese Stellen verlangen nach einem Studium. Sicher war ich mir nicht, ob ich das packen würde. Aus der Schule bin ich nun auch ein paar Tage raus, Selbstzweifel kamen auf. Kann ich das überhaupt finanzieren, von welchem Geld mache ich dann eigentlich Urlaub und was wird aus meinem Hund wenn ich Schule und Job unter einen Hut bringen muss…Diese Fragen hielten mich immer wieder davon ab, mich endlich für ein Studium zu entscheiden.
Eines morgens saß ich verschlafen in der Straßenbahn und schielte mit einem Auge auf den DVB- TV. „Bewerbungsfrist bis 15.09. verlängert, bewerben Sie sich jetzt für Ihr Studium.“ Als ich meiner besten Freundin davon erzählte, sagte ich, das könne doch kein Zufall sein. Ich schicke eine Bewerbung ab und wenn ich eine Zusage bekomme, muss das ein Zeichen sein.“
Gesagt, getan. Ich hab das motivierteste Motivationsschreiben in der Geschichte der Motivation geschrieben und die Zusage bekommen, ab Oktober studieren zu können. Ein paar Tage später flatterte ein Studentenjob ins Haus, im Vorstellungsgespräch konnte ich glänzen, bekam die Zusage und ich war mir endlich sicher, das muss der richtige Weg sein.
Nun habe ich noch knapp 3 Wochen Zeit, bis mein Studium der Sozialpädagogik anfängt.
Was mir dabei geholfen hat, waren nicht nur meine beste Freundin und meine Schwester, die mir immer wieder gut zuredeten sondern auch der Gedanke “ das haben andere doch auch schon geschafft“. Ach ja, und die zwei, drei Leute die sagten “ naja, das schaffst du sowieso nicht“, mehr Motivation geht ja kaum.
Freu mich schon, mir eine Hello Kitty Federmappe zu kaufen.
Ich danke all meinen Liebsten für die ganze Unterstützung, die ihr in den letzten Tagen und Wochen für mich geleistet habt.

2 Kommentare zu „Selbstfindung mit 25

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