Lass´ uns zu weit gehen.

Nach dem Jakobsweg ist mir kein Weg zu Fuß zu weit. Und als ich im November bei Facebook las, dass Megamarsch nach Dresden kommt, stand für mich sofort fest, dass ich teilnehmen werde. Mein großer Traum seit ein paar Jahren ist der Totenkopfmarsch Dodentocht in Belgien, dabei gilt es 100km in 24 Stunden zurückzulegen. Nach gestern überlege ich mir das aber nochmals.
Wir liefen am 10.03. einen Marsch von nur 50km, maximale Zeit 12 Stunden. Die Strecke führte entlang der Elbe von Dresden nach Bad Schandau.
Ich hatte fast keine Bedenken, lange zu laufen ist eine Kopfsache, das ist es auch beim Joggen, das pack ich locker. Einzig und allein Angst um meine Knie habe ich. Auf dem Jakobsweg hatte ich so arge Probleme, dass ich einen Tag trampen und mich ausruhen musste. Wahrscheinlich ist meine Oberschenkelmuskulatur ein wenig zu, na sagen wir mal, dürftig. 😀 Und irgendwie habe ich vergessen, diese zu trainieren, also wird das mehr oder minder eine Überraschung. Die längste Strecke, die ich bis dato zurücklegte, waren 36km an einem Tag. Und danach ging es steil bergab. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich es mir nicht trotzdem beweisen müsste.
Also Tickets gekauft, neue Laufschuhe gekauft und losgelaufen. In den Wochen zuvor lief ich täglich um die 10-15km. Ich würde allerdings nie auf die Idee kommen, einen Probelauf von 50km zu machen. Dann hab ichs doch schon geschafft ?! Wo ist da mein Ansporn am 10.03.?

Samstag Morgen. Wir wachten beide vor dem Wecker auf, meine Freundin rief mir im Bett zu “ Caro, ich bin schon soooo aufgeregt!!!“ Wir freuten uns riesig auf den Tag. Frühstück, Füße einsalben, Rucksack packen und mit dem Rad ging es auf zum Startplatz. Das Wetter war mit angenehmen 9 Grad prädestiniert. Sonne war auch versprochen.
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Um 08.05 Uhr verließen wir den Start mit mehren hundert Leuten. Das ist ein schönes Gefühl, man wird richtig mitgezogen.
Ich war mir sicher, dass die ersten 10 Kilometer ein Kinderspiel werden würden. Bin ich doch schon tausend Mal gelaufen. Pustekuchen. Es war ein Wechsel aus An- und Abstieg.  Schon sehr früh machten sich die Knie bemerkbar und ständig ratterte mein Kopf, dass ich das so nicht schaffen würde. Und das bevor ich überhaupt die erste Station von 10km hinter mich gebracht hatte. Ich sagte meiner Freundin, ich wolle nicht über meine Wehwehchen sprechen, damit ich sie aus meinem Kopf verdränge. Und das hat funktioniert.
Wir erreichten die erste der 5 Verpflegungsstationen nach etwas mehr als 2 Stunden. Dort gab es Bananen, Äpfel, Süßigkeiten, Wasser, Schokobrötchen und die Möglichkeit, die Blase zu entleeren. Gut, dass Theresa und ich gerade Süßigkeiten fasten und somit an allem vorbeigingen außer dem Obst. Ich weiß gar nicht, wie viele Bananen ich an einem Tag gegessen habe 🙂

Nachdem wir die erste Etappe erfolgreich gemeistert hatten, war die Laune bestens. Wir hatten Spaß, haben viel gelacht und geschnattert. Die Zeit verging wie im Flug.
Wir haben uns das Ziel gesetzt, den Lauf in 10 Stunden hinter uns zu bringen. Zeitweise fragte ich mich, wie um Himmels Willen man das schaffen will. Wir brauchten insgesamt 10 Stunden und 45 Minuten.
Kurz bevor wir die 30km erreichten, hatten wir ein Tief erreicht. Die Beine taten weh, Theresa bekam Kopfschmerzen. An der dritten Verpflegungsstation setzten wir uns in die wundervoll warme Sonne, aßen zur Abwechslung mal Banane und Apfel und tranken endlich einen Kaffee. Der kam wie gerufen. Nach der Pause ging es uns wesentlich besser und wir hatten wieder genug Kraft für die letzten 20km. Zu dem Zeitpunkt war klar, dass wir das Ding durchziehen. Umdrehen wäre nun leider zu weit.
Bei Kilometer 40 bemerkte ich, dass sich an meinem Fuß wohl eine Blase bemerkbar macht. (Es stellte sich raus, dass es zum Glück nur eine Druckstelle war, die sich im Ziel auch noch nicht als Blase entpuppte. Laufschuhe von Nike kann ich empfehlen, Sponsoring nehme ich hiermit offiziell an.)
Wir tranken eine kleine Flasche Sekt und überholten nach dieser Etappe gefühlte 20, 30 Leute. Fühlte sich an wie der Endspurt. In Königstein fuhren wir mit der Fähre zur anderen Elbseite und machten uns auf den Weg, die letzten 6 oder 7km hinter uns zu bringen. Langsam setzte auch die Dämmerung ein und die Gruppe von Menschen, die in den letzten 10 Stunden immer um uns waren, dünnte sich immer mehr aus. Ein paar junge Herren hatten sehr damit zu knabbern, nach 48km von zwei jungen Frauen überholt zu werden, die noch nicht mal humpelten. (In Wahrheit tat uns alles weh, von der Hüfte abwärts herrschte der absolute Schmerz.) “ Wie erstaunlich, dass man in eurem Alter und als Frau bei solch einem Marsch mitmacht.“, hieß es dann. Verstehe ich bis heute nicht.
Das Highlight der Tour? Die Treppe bei Kilometer 49, danke dafür.

Im Ziel wurde mir übel, ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten, die wahnsinnig zitterten und wir fingen bitter an zu frieren, als wir auf unsere Medaillen und Urkunden warteten. Aber jedes starke Schmerzmittel fängt irgendwann mal an zu wirken. So sind wir wohlbehalten nach einem wunderschönen Tag zuhause angekommen. Um 4 Uhr nachts habe ich immer noch kein Auge zugemacht, weil die Beine so schmerzten. Heute Morgen bin ich aber direkt wieder in die Laufschuhe und ES GEHT! Man kommt an seine Grenzen und das ist es definitiv wert. Megamarsch ist eine absolute Empfehlung 🙂

Liebste Theresa, du bist der beste Laufpartner, den ich mir hätte vorstellen können, auch wenn deine Beine viel kürzer sind als meine. Ich bin unfassbar stolz auf dich, dass du mit mir diesen Weg gegangen bist. Danke ❤

5 Kommentare zu „Lass´ uns zu weit gehen.

  1. Meine liebe Carolin, ich bin dir unheimlich dankbar, dass du mich gefragt hast diesen Marsch mit dir zumachen.
    Ich hätte mir auch keinen besseren Laufpartner vorstellen könnne. Ich habe gerade deinen Block gelesen und mir stand die Gänsehaut. Ich musste zwei mal laut lachen (bei den jungen Männern und wegen meiner kürzeren Beine) und zum Schluss kamen mir die Tränen.
    Ich bin unheimlich stolz auf dich und das wir zusammen diesen Weg gegangen sind. Danke♥️

    Gefällt 1 Person

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