Eine unabänderliche Richtung

Ich hatte nie so viel Sonne erlebt in einem Januar. Und oft dachte ich daran, dass es unwirklich sein musste.
Es ist einer dieser Tage gewesen.
Ich liege in einem fremden Bett, wiege mich in größter Sicherheit, befinde mich im größten Glück. Ein Gefühl, was ich schon fast nicht mehr kannte. Bis ich richtig wach bin. Ich öffne meine Augen und realisiere den Schnee, der wohl durch die letzte Nacht tanzte. So unerwartet, wie das Wetter umschlug, so unerwartet erlebe ich eine plötzliche Wendung.
Eine Wendung, die ich habe kommen sehen. Vor Tagen schon. Eine Wendung, die ich mit meinen Ängsten und Sorgen vielleicht wieder selbst hervorgerufen und provoziert habe. Ein Makel an mir, den ich versuche, schon lange abzustellen. Grübeln, das soll mir Sicherheit geben. Sicherheit, dass ich in Katastrophensituationen genau weiß, wie mir geschieht. Eine Sicherheit, die es nicht geben kann.
Ich möchte niemals aus diesem Bett aufstehen, mich nicht in die Kälte begeben müssen, der Situation und dem Abschied entfliehen. Ich wünsche mir, die Augen noch einmal schließen zu können. Solange, bis der Schnee geschmolzen ist. Ich wollte am nächsten Morgen hier aufwachen und von der Sonne geküsst sein.

Die letzten 51 Minuten vor der Abfahrt waren die Schlimmsten. Ein letztes Mal sah ich aus dem Auto und saugte den Blick der Stadt in mein Gedächtnis auf. Anders als erwartet, verlief die letzte Stunde nicht wie im Flug. Ganz im Gegenteil fühlte sie sich qualvoll lang an. Ich konnte nur starren und mein mulmiges Bauchgefühl immer wieder runterschlucken. Jedes Lächeln an diesem Tag war gespielt. In diesen Minuten passierte in meinem Kopf so viel, dass ich nicht benennen könnte, woran genau ich dachte.
Ich lief ungeduldig auf dem Gleis hin und her. Nicht nur meine Angst sondern auch die Kälte ließen mich nicht stillstehen. Ich freute mich unsäglich darauf, im Zug zu sitzen und insgeheim wollte ich, dass die Fahrt nie endet.
Was sich seit Tagen in mir breit machte, kam nun langsam zum Vorschein.
Und auch wenn ich ganz fest daran glaubte, den Schnee nicht sehen zu müssen, wusste ich doch, dass es sich nicht vermeiden lässt.
Ich schaffte es nicht, die gesamte Zugfahrt hinter mich zu bringen. Ich musste bereits vorzeitig aussteigen. Luft holen und tief durchatmen. Meine Knie wurden nach jeder Treppenstufe weicher und weicher, bis sie mich kaum noch tragen konnten.

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