Denkst du auch mal an dich?

Seitdem ich eine Therapie mache, muss ich mich einmal pro Woche damit auseinandersetzen, was scheiße läuft. Ich gehe da ja nicht hin um mir bewusst zu machen, dass die Sonne scheint und ich gesund bin.
So werde ich jede Woche gefragt, wie es mir geht und was es Neues gibt. In einigen Wochen kam so viel zusammen, dass die Zeit zum Reden gar nicht reichen konnte. Nach manchen Stunden war ich enttäuscht, weil wir gar nicht das „Wesentliche“ besprochen haben.
Und so fing ich unbewusst und automatisch an, zu selektieren.
Ist es mir das jetzt wieder Wert? Ist die Zeit vielleicht viel zu kostbar um mich über diese oder jene Person schon wieder aufzuregen? Möchte ich mir jetzt die Mühe machen, eine Lösung zu finden? Ist es eventuell sogar an der Zeit, mich von einem Menschen zu trennen oder mal ein wenig kürzer zu treten? Ja!!
Ein ganz aktuelles und trauriges Beispiel ist die Familie meines Vaters. Seit seinem Schlaganfall vor ein paar Monaten stehe ich gezwungenermaßen in Kontakt zu seinen Geschwistern und seiner Mutter. Ich habe also an Familie gewonnen, was ja erstmal sehr erfreulich ist.
Doch sie sind Menschen, die sich gegenseitig nur ausspielen, sich nicht zuhören, bevormunden und einfach nicht miteinander kommunizieren können. Unterhaltungen bestehen aus Vorwürfen und unterschwelligen Bemerkungen, die nie erklärt wurden.  Diese Ereignisse, Diskussionen und Streits waren oft Thema bei mir, haben mich so oft aufgeregt, genervt und verärgert. Und irgendwann wurde mir klar, dass ich diese Beziehungen nicht brauche, ich habe 24 Jahre ohne sie gelebt und jetzt bringen sie nur Kummer.
So habe ich Telefonnummern gelöscht und lebe ruhiger. Ich bekomme Infos, wie es meinem Vater geht und das ist ausreichend.
Es ist egoistisch zu sagen, ich bin mir wichtiger. Aber das halte ich für extrem notwendig. Was bedeutet es denn, nicht egoistisch, also selbstlos zu sein?
Das bedeutet, ich helfe anderen, ich bin für meine Mitmenschen da. Ich gebe ihnen Kraft und Unterstützung.
Aber woher nehme ich diese Kraft für andere, wenn ich sie selbst nicht habe? Wie kann ich meiner Freundin eine Stütze sein, wenn ich selbst am Boden bin?
Daher trenne ich mich von Dingen und Menschen, die mir ausschließlich meine Kraft rauben. Wenn ich mich nicht ausreichend um mich selbst kümmere, darauf achte, dass es mir gut geht, dann kann ich das auch nicht für andere. Ich kann nicht nur geben.
Deshalb möchte ich an so Manchen appellieren, auch mal nein zu sagen oder sich zu trennen. (Achtung! Reue nicht ausgeschlossen)
Ich nehme mir keine Meinungen von Menschen an, von denen ich selbst nicht viel halte. Ich denke, wir hören viel zu oft und zu stark auf das, was uns kritisiert und runterzieht, von Leuten, die uns eigentlich gar nichts bedeuten. Mach dein Glück von dir selbst abhängig.

„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit,
 was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, 
das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. 
Anfangs nannte ich das „gesunden Egoismus“, aber heute weiß ich, das ist Selbstliebe.“
Charly Chaplin

Illustration: cloudy thurstag

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